DIÄT? NEIN DANKE! – GUT FÜR DICH SORGEN
Der Körper wird älter – du musst deshalb nicht aufgeben
Warum gut für dich zu sorgen gerade jetzt wichtig ist – ganz ohne Kampf gegen deinen Körper und ohne die nächste Diät.
Vor einiger Zeit saß ich mit mehreren Frauen zusammen, die ungefähr in meinem Alter waren. Wie so oft kam das Gespräch irgendwann auf Gesundheit, Bewegung und all die Veränderungen, die wir mit den Jahren an uns beobachten.
Wir sprachen darüber, dass manches nicht mehr ganz so leichtfällt wie früher. Dass der Rücken sich gelegentlich meldet, die Kondition schon einmal besser war und eine kurze Nacht heute deutlich länger nachwirkt als noch vor zwanzig Jahren.
Es dauerte nicht lange, bis eine der Frauen einen Satz sagte, den ich seitdem nicht vergessen habe:
„Ach Petra, in unserem Alter lohnt sich das doch alles nicht mehr.“
Sie meinte das nicht dramatisch. Es war eher eine beiläufige Bemerkung. Und trotzdem steckt in diesem kleinen Satz etwas, das mir immer wieder begegnet.
Irgendwann scheint sich bei manchen Menschen die Vorstellung einzuschleichen, dass es ab einem bestimmten Alter keinen großen Unterschied mehr macht, ob wir uns bewegen, wie wir essen oder wie gut wir für uns sorgen.
Und manchmal gibt es sogar noch die andere Seite: Wenn der Körper schon nicht mehr so aussieht wie früher, dann müsse man eben besonders streng mit ihm werden. Weniger essen. Mehr kontrollieren. Endlich wieder ein paar Kilo abnehmen.
Für mich sind beide Gedanken problematisch.
Denn weder müssen wir unseren Körper aufgeben noch müssen wir anfangen, gegen ihn zu kämpfen.
Dein Körper wird älter. Er wird dadurch nicht weniger wert, weniger wichtig oder weniger fürsorglich zu behandeln.
Zwischen Veränderung und Aufgeben liegt ein großer Unterschied
Natürlich verändert sich unser Körper. Unsere Muskelmasse kann abnehmen, Hormone verändern sich, die Regeneration dauert manchmal länger und auch unser Energiebedarf kann ein anderer sein als früher.
Das alles gehört zum Älterwerden.
Wir müssen diese Veränderungen nicht schönreden. Mit siebzig ist unser Körper nicht derselbe wie mit dreißig. Und er muss es auch nicht sein.
Schwierig wird es erst, wenn wir aus diesen Veränderungen zwei mögliche Schlussfolgerungen ziehen: Entweder „Jetzt ist sowieso alles egal“ oder „Jetzt muss ich meinen Körper erst recht unter Kontrolle bekommen.“
Dazwischen gibt es aber noch einen anderen Weg.
Wir können akzeptieren, dass unser Körper älter wird, und gleichzeitig gut für ihn sorgen.
Nicht um ihn wieder jung zu machen. Nicht um ihn in eine bestimmte Kleidergröße zu zwingen. Sondern weil er unser Zuhause ist und wir möglichst gut mit ihm durch die kommenden Jahre gehen möchten.
Dein Körper reagiert auch heute noch auf das, was du tust
Unser Körper hört nicht an einem bestimmten Geburtstag auf, auf gute Gewohnheiten zu reagieren.
Wenn wir uns regelmäßig bewegen, profitiert er davon. Wenn wir unsere Muskeln beanspruchen, geben wir ihnen einen Grund, gebraucht zu werden. Wenn wir ausgewogen essen, ausreichend trinken, auf unseren Schlaf achten und Erholung ernst nehmen, unterstützen wir unseren Körper.
Vielleicht reagiert er heute nicht mehr genauso schnell wie früher. Vielleicht brauchen manche Veränderungen länger. Und vielleicht zeigt sich der Erfolg nicht unbedingt auf der Waage.
Genau das ist ein Gedanke, den ich besonders wichtig finde.
Denn wir haben über viele Jahre gelernt, körperlichen Erfolg fast ausschließlich in Kilogramm zu messen.
Aber was ist mit Kraft? Was ist mit Beweglichkeit? Was ist mit Ausdauer? Was ist damit, eine Treppe leichter hinaufzukommen, einen langen Spaziergang genießen zu können oder morgens weniger steif aufzustehen?
Auch das sind Veränderungen.
Vielleicht sogar die wichtigeren.
Nicht jede positive Veränderung deines Körpers lässt sich auf einer Waage ablesen.
Bewegung ist keine Strafe für das, was du gegessen hast
Gerade beim Thema Bewegung steckt bei vielen von uns noch erstaunlich viel alte Diätlogik im Kopf.
Wir gehen spazieren, um Kalorien zu verbrennen. Wir fahren Fahrrad, weil wir am Wochenende Kuchen gegessen haben. Wir machen Sport, damit die Zahl auf der Waage kleiner wird.
Dabei bekommt Bewegung mit zunehmendem Alter eine ganz andere und viel schönere Bedeutung.
Sie hilft uns, beweglich zu bleiben. Sie fordert unsere Muskeln. Sie kann uns dabei unterstützen, Kraft und Gleichgewicht zu erhalten. Sie bringt uns nach draußen, kann Stress abbauen und manchmal einfach richtig guttun.
Bewegung muss also nicht die Rechnung für das Abendessen sein.
Sie darf Fürsorge sein.
Und dafür brauchst du kein Fitnessprogramm, das du hasst. Vielleicht gehst du gern spazieren. Vielleicht schwimmst du. Vielleicht tanzt du. Vielleicht findest du Freude an Kraftübungen oder entdeckst etwas ganz Neues.
Entscheidend ist nicht, wie viele Kalorien dabei auf irgendeiner Uhr stehen.
Entscheidend ist, dass dein Körper davon profitiert.
Auch Ernährung darf Fürsorge statt Kontrolle sein
Dasselbe gilt für unsere Ernährung.
Wer viele Diäten hinter sich hat, verbindet „gesund essen“ möglicherweise sofort mit Einschränkung. Weniger Fett. Weniger Zucker. Weniger Kohlenhydrate. Weniger Kalorien. Eigentlich immer nur weniger.
Aber gerade wenn unser Körper älter wird, lohnt sich ein anderer Blick.
Was braucht er?
Er braucht Nährstoffe. Er braucht ausreichend Eiweiß. Er braucht Gemüse, Obst, gute Fette und eine abwechslungsreiche Ernährung. Er braucht Flüssigkeit. Und ja, er braucht auch Energie.
Deshalb gefällt mir die Frage „Was darf ich nicht mehr essen?“ immer weniger.
Viel interessanter ist:
Was kann ich meinem Körper geben, damit er gut versorgt ist?
Dieser kleine Perspektivwechsel verändert erstaunlich viel. Plötzlich geht es nicht mehr um Bestrafung und Verzicht, sondern um Versorgung.
Und natürlich darf Essen trotzdem schmecken.
Genuss hat kein Verfallsdatum.
Du musst nicht wieder aussehen wie früher
Vielleicht ist das einer der befreiendsten Gedanken überhaupt.
Wir können etwas für unsere Gesundheit tun, ohne unseren Körper wieder in die Form bringen zu müssen, die er mit dreißig oder vierzig hatte.
Denn manchmal steckt hinter dem Wunsch, „wieder fit zu werden“, heimlich noch ein ganz anderes Ziel: wieder so auszusehen wie früher.
Aber dein heutiger Körper hat ein Leben hinter sich.
Vielleicht Schwangerschaften. Jahrzehnte voller Arbeit. Stressige Zeiten. Krankheiten. Wechseljahre. Gute Jahre und schwierige Jahre.
Er darf Spuren davon tragen.
Gut für ihn zu sorgen bedeutet nicht, diese Spuren beseitigen zu müssen.
Es bedeutet, ihn dort zu unterstützen, wo er heute steht.
Du musst deinen heutigen Körper nicht gegen deinen früheren Körper antreten lassen.
Wenn du trotzdem abnehmen möchtest
Und was ist, wenn du dich mit deinem Gewicht tatsächlich nicht wohlfühlst und gern einige Kilo abnehmen möchtest?
Dann darfst du das selbstverständlich.
DIÄT? NEIN DANKE! bedeutet nicht, dass du dein Gewicht niemals verändern darfst. Es bedeutet, dass du dafür nicht wieder in den alten Kreislauf aus strengen Regeln, Verboten, Hunger und schlechtem Gewissen zurückkehren musst.
Vielleicht kannst du heute einen anderen Weg wählen.
Einen Weg, bei dem die Frage nicht nur lautet: Wie werde ich möglichst schnell leichter?
Sondern auch: Was tut meinem Körper gut? Wie kann ich meine Muskeln unterstützen? Welche Ernährung kann ich langfristig leben? Welche Bewegung macht mir Freude? Wie möchte ich mich eigentlich fühlen?
Dann wird aus dem Kampf gegen Gewicht vielleicht nach und nach etwas anderes:
Fürsorge für dich selbst.
Claudia wollte eigentlich nicht mehr anfangen
Claudia hatte schon länger das Gefühl, dass sie etwas für ihre Kraft tun müsste. Treppen fielen ihr schwerer und wenn sie längere Zeit auf dem Boden saß, merkte sie beim Aufstehen ziemlich deutlich, dass ihre Beine früher kräftiger gewesen waren.
Trotzdem schob sie das Thema vor sich her.
Ein Fitnessstudio kam für sie nicht infrage. „Da sind doch nur junge Leute“, sagte sie. Außerdem war Sport für sie immer eng mit Abnehmen verbunden gewesen.
Sport bedeutete für Claudia: schwitzen, Kalorien verbrennen und anschließend hoffen, dass die Waage am nächsten Morgen freundlich zu ihr war.
Irgendwann fand sie einen kleinen Kurs, in dem Frauen unterschiedlichen Alters gemeinsam trainierten. Keine Hochleistung. Niemand sprach über Bikinifiguren und niemand musste beweisen, wie sportlich er war.
Nach der ersten Stunde war Claudia ziemlich erschöpft.
Nach einigen Wochen bemerkte sie etwas: Das Treppensteigen fiel ihr leichter.
Ihre Waage zeigte keine spektakuläre Veränderung.
Aber plötzlich war das gar nicht mehr das Wichtigste.
Ihr Körper hatte ihr auf eine ganz andere Weise gezeigt, dass sich das Anfangen gelohnt hatte.
Gerade jetzt lohnt es sich
Wenn ich heute an die Frau zurückdenke, die damals sagte: „In unserem Alter lohnt sich das doch alles nicht mehr“, würde ich ihr wahrscheinlich antworten:
Gerade jetzt lohnt es sich.
Gerade jetzt lohnt es sich, unsere Muskeln zu erhalten. Gerade jetzt lohnt es sich, beweglich zu bleiben. Gerade jetzt lohnt es sich, unseren Körper gut zu versorgen und ihm Erholung zu geben.
Nicht weil wir dadurch verhindern könnten, älter zu werden.
Und auch nicht, weil wir dadurch garantiert schlank bleiben oder wieder werden.
Sondern weil die Jahre, die vor uns liegen, genauso zu unserem Leben gehören wie die Jahre, die hinter uns liegen.
Unser Körper wird älter.
Gerade deshalb verdient er unsere Aufmerksamkeit – und nicht unseren Ärger.
Mein Gedanke für dich
Vielleicht gibt es etwas, das du schon länger für dich tun möchtest. Mehr Bewegung. Etwas mehr Kraft. Regelmäßiger essen. Besser schlafen. Mehr nach draußen gehen oder dir einfach häufiger eine Pause erlauben.
Dann musst du daraus kein großes Projekt machen.
Du brauchst keinen perfekten Ernährungsplan. Du musst nicht ab Montag alles anders machen. Und du brauchst ganz sicher keine neue Diät.
Vielleicht reicht ein kleiner Schritt.
Einer, der deinem Körper zeigt: Ich kümmere mich um dich.
Nicht weil du falsch bist.
Sondern weil du mir wichtig bist.
Der Körper wird älter. Du musst ihn deshalb weder aufgeben noch bekämpfen.