DIÄT? NEIN DANKE! – GUT FÜR DICH SORGEN

Warum sich unser Körper verändert

Stoffwechsel, Hormone, Muskeln und Energie – und warum die Antwort auf einen veränderten Körper nicht die nächste Diät sein muss.

Warum sich unser Körper verändert – Stoffwechsel, Hormone, Muskeln und Energie

Es gibt einen Satz, den ich in den vergangenen Jahren immer wieder gehört habe: „Früher konnte ich essen, was ich wollte.“

Meistens wird er mit einem kleinen Lächeln ausgesprochen. Manchmal steckt Frust dahinter, manchmal Verwunderung und manchmal auch die leise Sorge, dass mit dem eigenen Körper etwas nicht mehr stimmt.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl selbst. Du isst gar nicht wesentlich anders als früher und trotzdem verändert sich dein Gewicht. Die Hose sitzt plötzlich enger. Die Energie ist an manchen Tagen nicht mehr dieselbe. Und irgendwann taucht die Frage auf: Was mache ich eigentlich falsch?

Genau an dieser Stelle beginnt leider häufig das alte Diätdenken. Weniger essen. Kohlenhydrate streichen. Abends nichts mehr. Kalorien zählen. Vielleicht Intervallfasten. Irgendetwas muss schließlich getan werden, damit der Körper wieder so funktioniert wie früher.

Aber vielleicht ist genau das der falsche Ausgangspunkt.

Denn möglicherweise machst du gar nichts falsch.

Dein Körper ist nicht das Problem. Er verändert sich – genau wie dein Leben.

Unser Körper bleibt nicht dreißig

Eigentlich wäre es erstaunlich, wenn unser Körper über Jahrzehnte derselbe bliebe. Schließlich verändert sich alles andere ebenfalls. Unsere Lebensumstände werden andere, unsere Erfahrungen prägen uns und unsere Prioritäten verschieben sich.

Nur von unserem Körper erwarten wir manchmal etwas Merkwürdiges: Er soll möglichst genauso funktionieren wie mit dreißig. Am besten soll er dieselbe Figur behalten, dieselbe Energie haben und auf Essen genauso reagieren wie damals.

Wenn er das nicht tut, suchen wir den Fehler schnell bei uns selbst.

Zu viel gegessen. Zu wenig bewegt. Nicht diszipliniert genug gewesen.

Und damit beginnt für viele Frauen wieder dieser vertraute Kreislauf aus Kontrolle, Verzicht und schlechtem Gewissen.

Dabei gibt es ganz natürliche körperliche Veränderungen, die dazu beitragen, dass sich Gewicht, Körperzusammensetzung und Energie im Laufe der Jahre verändern können.

Diese Veränderungen zu verstehen bedeutet nicht, dass wir nichts beeinflussen können. Aber Verständnis ist eine wesentlich bessere Grundlage für einen guten Umgang mit unserem Körper als der nächste Kampf gegen ihn.

Unsere Muskeln spielen eine größere Rolle, als wir denken

Einer der Punkte, über die erstaunlich wenig gesprochen wird, sind unsere Muskeln. Als wir jünger waren, mussten viele von uns darüber kaum nachdenken. Wir waren im Alltag häufig aktiver und unser Körper konnte Muskelmasse leichter erhalten.

Mit zunehmendem Alter verändert sich das. Wenn wir unsere Muskeln nicht regelmäßig beanspruchen, kann Muskelmasse nach und nach verloren gehen. Das geschieht langsam und bleibt deshalb häufig lange unbemerkt.

Muskeln sind dabei weit mehr als etwas, das wir brauchen, um schwere Einkaufstaschen zu tragen. Sie helfen uns beim Aufstehen, Treppensteigen, Gehen und bei praktisch jeder Bewegung unseres Alltags. Sie tragen zu Stabilität und Selbstständigkeit bei – und Muskelgewebe benötigt Energie.

Wenn sich unsere Muskelmasse und gleichzeitig unsere tägliche Bewegung verändern, kann sich deshalb auch unser Energiebedarf verändern. Essgewohnheiten, mit denen wir unser Gewicht früher problemlos gehalten haben, können irgendwann andere Auswirkungen haben.

Das ist kein Zeichen mangelnder Disziplin.

Und vor allem ist es kein Grund, den Körper mit immer weniger Essen bestrafen zu müssen.

Vielleicht braucht dein Körper heute nicht weniger von allem. Vielleicht braucht er von manchen Dingen sogar mehr.

Auch die Hormone verändern sich

Bei Frauen kommt ein weiterer wichtiger Faktor hinzu: die hormonellen Veränderungen rund um die Wechseljahre. Viele verbinden diese Lebensphase zunächst mit Hitzewallungen, verändertem Schlaf oder Stimmungsschwankungen. Doch die hormonelle Umstellung kann sich auch auf die Körperzusammensetzung und die Verteilung des Körperfetts auswirken.

Deshalb erleben manche Frauen etwas, das sie vorher kaum kannten. Der Körper verändert seine Form. Vielleicht sammelt sich Gewicht stärker im Bauchbereich, obwohl die eigenen Gewohnheiten gar nicht grundlegend anders geworden sind.

Gerade dann entsteht schnell Frust.

Und wer jahrelang gelernt hat, jede körperliche Veränderung mit Essen und Gewicht zu verbinden, landet schnell wieder bei der Frage: Welche Diät könnte jetzt funktionieren?

Vielleicht wäre aber eine andere Frage viel hilfreicher:

Was geschieht gerade in meinem Körper – und wie kann ich ihn dabei unterstützen?

Ist wirklich der Stoffwechsel schuld?

Der Stoffwechsel bekommt beim Älterwerden gern die Rolle des Hauptschuldigen. Sobald das Gewicht steigt, heißt es schnell: „Mein Stoffwechsel ist eben eingeschlafen.“

Ganz so einfach ist es nicht. Unser Energieverbrauch wird von mehreren Dingen beeinflusst. Dazu gehören unter anderem unsere Körperzusammensetzung, unsere Muskelmasse und natürlich die Frage, wie viel wir uns im Alltag bewegen.

Gerade diese Alltagsbewegung verändert sich häufig, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Vielleicht laufen wir weniger Wege zu Fuß. Vielleicht sitzen wir häufiger. Vielleicht ist unser Alltag nicht mehr so körperlich anstrengend wie früher.

Jede einzelne Veränderung erscheint klein. Zusammengenommen können sie aber einen Unterschied machen.

Deshalb gefällt mir die Vorstellung vom „kaputten Stoffwechsel“ nicht besonders. Sie vermittelt uns das Gefühl, mit unserem Körper sei etwas nicht in Ordnung.

Und genau dieses Gefühl kennen viele Frauen aus jahrzehntelangen Diäterfahrungen ohnehin schon zur Genüge.

Du musst deinen Körper nicht reparieren. Du darfst anfangen, ihn besser zu verstehen.

Auch unsere Energie verändert sich

Vielleicht hast du ebenfalls festgestellt, dass du heute anders mit deiner Energie umgehen musst. Eine kurze Nacht steckt man nicht mehr immer so leicht weg. Stress kann länger nachwirken und nach anstrengenden Tagen braucht der Körper manchmal mehr Erholung.

Auch hier reagieren wir manchmal mit einem erstaunlichen Reflex: Wir verlangen noch mehr von uns.

Mehr Disziplin. Mehr Sport. Weniger essen. Mehr zusammenreißen.

Aber vielleicht besteht gutes Älterwerden gerade darin, die Signale unseres Körpers nicht ständig zu übergehen.

Eine Pause zu machen, wenn wir müde sind. Schlaf ernst zu nehmen. Bewegung nicht als Strafe für gegessenes Essen zu betrachten, sondern als etwas, das uns kräftig und beweglich hält.

Gut für sich zu sorgen bedeutet eben nicht nur, darüber nachzudenken, was auf unserem Teller liegt. Es bedeutet auch, wahrzunehmen, was unser Körper uns erzählt.

Wenn Abnehmen plötzlich schwieriger wird

Vielleicht hast du früher eine Diät gemacht, ein paar Wochen weniger gegessen und relativ schnell einige Kilo verloren. Heute funktioniert dasselbe plötzlich nicht mehr so gut.

Die naheliegende Reaktion lautet dann häufig: Ich muss mich eben noch mehr einschränken.

Doch gerade in der zweiten Lebenshälfte lohnt es sich, diesen Gedanken zu hinterfragen.

Denn dein Körper braucht weiterhin Nährstoffe. Er braucht Eiweiß. Er braucht Bewegung und Reize für seine Muskeln. Er braucht Erholung und ausreichend Energie für den Alltag.

Natürlich darfst du abnehmen wollen. DIÄT? NEIN DANKE! bedeutet nicht, dass ein Wunsch nach Gewichtsabnahme verboten wäre.

Es bedeutet, dass du dich dafür nicht wieder in den alten Kreislauf aus Hunger, Verboten, schlechtem Gewissen und anschließendem Neustart schicken musst.

Du darfst etwas verändern, ohne gegen dich selbst zu kämpfen.

Claudia dachte, sie müsse sich nur mehr zusammenreißen

Claudia kannte diesen Gedanken sehr gut. Lange war sie überzeugt davon, dass ihr einfach die nötige Disziplin fehlte. Früher hatte sie schließlich auch abnehmen können. Warum funktionierte das heute nicht mehr genauso?

Also versuchte sie es immer wieder. Weniger essen. Süßigkeiten streichen. Abends möglichst nichts mehr. Ein paar Wochen hielt sie durch, dann kehrte der Alltag zurück – und mit ihm meistens auch die verlorenen Kilos.

Für Claudia war das jedes Mal der Beweis dafür, dass sie es wieder nicht geschafft hatte.

Bis sie irgendwann begann, die Sache anders zu betrachten.

Was wäre, wenn nicht Claudia das Problem war?

Was wäre, wenn ihr Körper heute einfach andere Bedürfnisse hatte als vor zwanzig oder dreißig Jahren?

Statt sich zu fragen, wie sie ihren Körper endlich wieder unter Kontrolle bekommen könnte, begann sie sich zu fragen, was ihm heute guttun würde.

Sie ging regelmäßig spazieren und ergänzte nach und nach Übungen für ihre Muskeln. Sie achtete darauf, ausreichend und ausgewogen zu essen, statt Mahlzeiten auszulassen. Und vor allem hörte sie auf, jeden Tag auf der Waage darüber entscheiden zu lassen, ob sie alles richtig oder falsch gemacht hatte.

Ihr Körper wurde dadurch nicht plötzlich wieder dreißig.

Das musste er aber auch gar nicht.

Vielleicht ist nicht dein Körper das Problem

Nach vielen Jahren mit Diäten kann sich ein Gedanke tief festsetzen: Wenn mein Gewicht nicht so ist, wie ich es haben möchte, muss ich etwas falsch gemacht haben.

Genau von diesem Gedanken dürfen wir uns verabschieden.

Unser Körper ist keine Maschine, bei der wir nur die richtige Kalorienzahl eingeben müssen und anschließend garantiert das gewünschte Ergebnis bekommen.

Er ist lebendig. Er verändert sich. Er reagiert auf Hormone, Bewegung, Schlaf, Stress, Muskelmasse, Ernährung und viele weitere Einflüsse.

Je besser wir das verstehen, desto weniger müssen wir jede Veränderung als persönliches Versagen interpretieren.

Und vielleicht entsteht genau dadurch etwas, das nach vielen Diätjahren unglaublich wohltuend sein kann: Gelassenheit.

Gut für dich sorgen beginnt mit Verständnis

Wir können nur gut für einen Körper sorgen, den wir nicht ständig als Gegner betrachten.

Dein Körper versucht nicht, dich zu ärgern. Er möchte dir nicht absichtlich das Abnehmen erschweren. Und er hat dich nicht im Stich gelassen, nur weil er sich verändert.

Er hat dich bis hierher durch dein Leben getragen.

Vielleicht braucht er heute etwas anderes als früher. Mehr Aufmerksamkeit für deine Muskeln. Eine Ernährung, die dich zuverlässig versorgt. Mehr Erholung. Andere Bewegungsreize. Und möglicherweise auch ein wenig mehr Geduld.

Genau darum soll es beim guten Umgang mit uns selbst gehen.

Nicht darum, den Körper wieder in eine Form zu zwingen, die er irgendwann einmal hatte. Sondern darum, herauszufinden, was uns heute guttut.

Mein Gedanke für dich

Wenn du feststellst, dass dein Körper heute anders auf Essen reagiert, dass sich deine Figur verändert hat oder dass Abnehmen nicht mehr so funktioniert wie früher, dann versuche nicht sofort, dir selbst die Schuld dafür zu geben.

Vielleicht brauchst du nicht mehr Disziplin.

Vielleicht brauchst du zunächst mehr Verständnis.

Verständnis dafür, was sich in deinem Körper verändert. Verständnis dafür, dass er heute andere Bedürfnisse haben kann. Und vielleicht auch Verständnis dafür, dass Jahrzehnte voller Diäten ihre Spuren in unserem Denken hinterlassen.

Wir dürfen heute anders mit uns umgehen.

Nicht mit Verboten. Nicht mit ständigem schlechten Gewissen. Nicht mit dem nächsten Versprechen, am Montag endlich wieder „brav“ zu sein.

Sondern indem wir lernen, unseren Körper zu unterstützen, statt ihn ständig bekämpfen zu wollen.

Dein Körper macht nichts falsch. Er braucht heute vielleicht einfach etwas anderes als früher.